Nach dem Unentschieden gegen Lübeck-Schwartau in der Vorwoche (29:29) und der insgesamt angespannten Lage im Tabellenkeller waren für den TUSEM zwei Punkte fast schon Pflicht. Doch die Gäste aus Coburg erwischten vor 2083 Zuschauern in der Arena „Am Hallo“ den besseren Start. Mikael Helmersson brachte die Vestestädter in der sechsten Minute mit 1:3 in Führung, die Essener hatten zu Beginn gerade offensiv einige Probleme. Doch mit einer äußerst stimmungsvollen Anhängerschaft im Rücken kämpfte sich der TUSEM in die Partie und ging beim 7:6 durch Valentin Willner erstmals in Führung (14. Minute). Die Coburger mussten personell auf einige Leistungsträger verzichten, was sich im Laufe der Begegnung immer deutlicher bemerkbar machte. So waren es oft Einzelaktionen des omnipräsenten Helmerssons, der seine Farben im Spiel hielt. Dennoch bestimmte der TUSEM die Partie und baute die Führung kontinuierlich aus. Beim 12:8 durch Nils Homscheid stand für die Essener erstmals eine Vier-Tore-Führung auf der Anzeigetafel, ein Vorsprung, den die Hövels-Sieben auch in die Kabine brachte.
In der zweiten Halbzeit waren es jedoch erneut die Coburger, die besser in die Partie fanden. Ein Helmersson-Doppelpack sowie ein Tor von Kreisläufer Bartlomiej Bis ließ die Essener Führung auf zwei Tore schmelzen. Davon zeigte sich der TUSEM allerdings recht unbeeindruckt und schlug mit einem 5:0-Lauf zurück (24:17, 40. Minute). Was auffiel: Die Essener zeigten sich im Angriff enorm variabel und strahlten Gefahr von allen Mannschaftspostionen aus. Doch auch die Abwehr stand überragend, der Innenblock um Valentin Willner und Tom Wolf erwischte einen Sahnetag. So konnte der TUSEM seine deutliche Führung konsequent verwalten und später gar auf neun Tore ausbauen. Einzig Mikael Helmersson bekamen die Essener selten in den Griff, der 22-jährige italienische Nationalspieler verhinderte für seine Mannschaft Schlimmeres. In der letzten Spielminute traf Max Neuhaus dann zur erstmaligen Zehn-Tore-Führung (37:27), Coburgs Nils Röller war allerdings der letzte Treffer des Abends vorbehalten. Der TUSEM gewinnt damit das erste Spiel seit dem 40:32-Derbysieg gegen Krefeld Ende Februar und verlässt dank der Krefelder Niederlage im Parallelspiel gegen Balingen die Abstiegsränge. Der HBW steigt durch den Sieg in der Glockenspitzhalle auf, der TUSEM gratuliert den „Galliern von der Alb“ herzlich zur Rückkehr in die Bundesliga.
Auf der Pressekonferenz zeigte sich TUSEM-Cheftrainer Kenji Hövels hochzufrieden und sichtlich gelöst angesichts der vorherigen 60 Minuten: „Ich muss meiner Mannschaft ein riesengroßes Kompliment machen. Alle können sich vorstellen, wieviel Druck auf den Jungs momentan lastet. Wie wir heute damit umgegangen sind, wie diszipliniert wir gespielt haben, wie wenig Fehler wir gemacht haben – das ist auch in der Höhe des Ergebnisses am Ende nicht selbstverständlich. Seitdem ich hier bin, bringe ich das zum Ausdruck: Ich bin total überzeugt von dieser Mannschaft. Wir haben jetzt noch drei Spiele und ich sehe keinen Grund, warum wir davon eines verlieren sollen.“ Für den TUSEM geht es nach der Länderspielpause mit einem Auswärtsspiel beim TuS Nettelstedt-Lübbecke weiter. Anwurf in der Merkur-Arena ist am Samstag, 23. Mai, um 18 Uhr.
TUSEM Essen – HSC 2000 Coburg 37:28 (18:14)
TUSEM Essen: Knaack (zwölf Paraden, 34 Prozent), Plaue (eine Parade, 17 Prozent) – Becker (1), Mart (3/1), Göttler, Willner (3), Wolfram, Homscheid (9/5), Eißing (4), Wolf (2), Neuhaus (8), Kostuj, Hejny (1), Mast (2), Werschkull, Schoss (4)
HSC 2000 Coburg: Boukovinas (neun Paraden, 21 Prozent), Apfel – Düsterhöft, Dettenthaler, Bis (2), Planinsek (2), Ossowski (2), Belbey, Kontrec, Krone (1), Helmersson (15/5), L. Valkovskis, Röller (4), Lilienfelds (1), Schmidt (1/1)
Zeitstrafen: 2 (Willner, Schoss) – 4 (Kontrec, L. Valkovskis, Röller, Lilienfelds)
Siebenmeter: 6/7 (Mart scheitert an Boukovinas) – 6/7 (Helmersson wirft an die Latte)
Schiedsrichter: Lukas und Robert Müller (Neubrandenburg/Potsdam)
Zuschauer: 2083 in der Arena „Am Hallo“
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