Die wohl prägendste Frage zu Beginn war: Wie geht der TUSEM mit dem heftigen Nackenschlag aus der Vorwoche um? Die 26:43-Niederlage in Balingen vom vergangenen Sonntag hatte definitiv das Potenzial, Spuren zu hinterlassen. Und tatsächlich: Die Essener hatten zu Beginn der Partie große Probleme mit den Potsdamern, die sich angeführt vom überragenden Spielgestalter Marco Mengon früh eine recht deutliche Führung erspielen konnten. Nicolas Paulnsteiner traf für den Erstliga-Absteiger zum 5:10 (14. Minute), die Deckung der Essener war zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht präsent. Doch in der Folge ging das Potsdamer Spiel nicht mehr allzu leicht von der Hand: Der TUSEM ackerte sich in die Partie und konnte sich vor allem in der Abwehr deutlich steigern. Personell weiterhin angeschlagen, brachte der Tabellen-16. einen 6:1-Lauf auf die Platte (Tom Wolf/26. Minute), die Stimmung in der Arena eruptierte ein erstes Mal. Ein Mengon-Doppelpack erstickte den Hexenkessel im Keim; Potsdam ging wieder in Führung und nahm diese auch in die Kabine mit (13:15).
TUSEM muss in Hälfte zwei abreißen lassen – Potsdam zeigte seine Klasse
Der Mannschaft von Emir Kurtagic gehörte auch der Start in Durchgang zwei. Der allgegenwärtige Mengon sowie der Ex-Essener Dustin Kraus, der eine ähnlich bravouröse Leistung zeigte, stellten schnell auf 13:17. Der TUSEM kam zwar schnell zum Anschluss (Eißing-Tempogegenstoß zum 15:17), doch der VfL setzte sich allmählich ab. Kraus zum 19:24, Kraus zum 19:25 – der 24-Jährige erwischte an alter Wirkungsstätte wahrlich einen Sahnetag. Der Treffer von Felix Mart vom 20:25 glich nur einem kurzen Strohfeuer – Potsdam konterte mit einem 3:0-Lauf und entschied die Partie 13 Minuten vor dem Ende. Die Essener ließen sich gewiss nicht hängen – die individuelle Klasse der Kurtagic-Sieben war am Ende aber schlichtweg zu hoch. Max Neuhaus erzielte mit der Schlusssirene das 28:35 – Ergebniskosmetik für den TUSEM, der somit weiter auf seinen dritten Saisonsieg warten muss.
Valentin Willner haderte nach der Partie vor allem mit der mentalen Einstellung: „Wir verschlafen den Start in die erste Halbzeit, sind in der Deckung überhaupt nicht da. So kassieren wir zu viele Gegentore. In der zweiten Halbzeit passiert das Gleiche. Potsdam zieht weg, egal, was wir versucht haben, hat heute nicht zum Erfolg geführt.“ Auch Daniel Haase sieht in der missratenen Anfangsphase einen der Schlüsselfaktoren für die Niederlage: „Die ersten elf Angriffe von Potsdam sind alle drin. Wir können uns keine Sicherheit in der Deckung holen, anders als der VfL. So kann auch kein Momentum entstehen. Anschließend kämpfen wir uns rein in die Partie, lassen aber auch zu viele Chancen liegen. Am Ende killt uns auch die eigene Unerfahrenheit, wir müssen lernen, dass wir in solchen Momenten bei uns bleiben und das Spiel besser über die Bühne bringen“. Dank der herben Niederlage der HSG Krefeld im Parallelspiel gegen Bietigheim (19:32) bleibt den Essenern das Abrutschen in die Abstiegsränge erspart. Die Eulen Ludwigshafen schlagen den TuS Nettelstedt-Lübbecke derweil mit 27:25, sodass der TUSEM weiterhin auf dem 16. Platz liegt. Die Haase-Sieben ist nun wieder auswärts gefordert – am kommenden Samstag (22. November) treffen die Essener auf den HC Elbflorenz. Anwurf ist um 18 Uhr.
TUSEM Essen – 1. VfL Potsdam 28:35 (13:15)
TUSEM Essen: Knaack (fünf Paraden, 23 Prozent), Plaue (drei Paraden, 15 Prozent) – Becker, Mart (3), Göttler (4), Willner (8), Neher, Wolfram, Reimer (2/2), Eißing (3), Buschhaus, Wolf (2), Neuhaus (3), Kostuj (1), Mast (2)
VfL Potsdam: Höler (13 Paraden, 34 Prozent), Matthes (eine Parade, 25 Prozent) – Budde (1), Siemer (1/1), Paulnsteiner (4), Bulzamini, Klein, Sontacchi, Hildenbrand (3), Fuhrmann (10/5), Kix, Mengon (6), Schröder (1), Schley, Kraus (9)
Siebenmeter: 2/2 – 6/7
Zeitstrafen: 4 - 4
Schiedsrichter: Leon und Nico Bärmann (Graben-Neudorf)
Zuschauer: 1937 in der Arena „Am Hallo“
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