01.04.2018 | WAZ

Ein Tusem-Spiel, das wichtiger ist als andere


Der Tusem empfängt den VfL Eintracht Hagen und spielt mit Trauerflor für die drei tödlich verunglückten Elektro-Rollstuhl-Hockeyspieler.

Das ist so ein Spiel, das dann doch mehr Bedeutung hat als andere. „Es gibt in dieser Liga keine unwichtigen, leichten oder extrem schweren Spiele“, sagt Jaron Siewert, der Trainer des Tusem, vor der Partie in der 2. Handball-Bundesliga gegen den VfL Eintracht Hagen (Sonntag, 17 Uhr, Sporthalle Am Hallo). „Aber diesmal geht’s um zwei sehr wichtige Punkte für den Klassenerhalt.“

Der Sieger kann seinen Vorsprung auf den EHV Aue (24:28 am Donnerstag beim VfL Lübeck-Schwartau) und den ersten Abstiegsplatz auf acht Zähler ausbauen. „Dieses Spiel wird erst recht wichtig“, sagt der 24-jährige Essener Coach, „weil immer mehr Ergebnisse zustandekommen, die sonst eher selten sind. Da ist es umso wichtiger, selbst zu punkten.“

Duell der Tabellennachbarn

Der Tabellenzwölfte erwartet den Tabellen-13., das Hinspiel haben die Hagener mit 24:23 gewonnen. Und somit scheint Spannung garantiert zu sein. Zumal der VfL Eintracht „über eine recht erfahrene Mannschaft verfügt, die eine sehr gute Abwehr und immer flott nach vorne spielt“, sagt Jaron Siewert, der auch dem Hagener Rückraum-Trio – Bartosz Konitz, Sören Kress und Jan von Boenigk – mit sehr viel Respekt begegnet.

Nicht zuletzt wegen des Ausfalls von Julian Renninger (Kreuzbandriss) – „das wird den Hagenern wehtun“ (Siewert) – geht der Tusem-Trainer davon aus, dass sein Gegenüber Niels Pfannenschmidt in der Deckung seinen Co-Trainer bringen wird: Pavel Prokopec, den 38-jährigen Tschechen, der 2012 zum Essener Bundesliga-Aufsteigerteam gehört hat. „Das ist ähnlich wie bei uns mit Michael Hegemann, ein Mehrwert für die Mannschaft“, sagt er. „So ein Mann sorgt dank seiner Erfahrung für Stabilität.“

Christoph Reißky ist in Topform

Gut für Jaron Siewert ist, dass er sich keine Sorgen um Linkshänder Christoph Reißky zu machen braucht. Der 22-Jährige, der den Füchsen Berlin gehört, stand am Donnerstag im Kader des Erstliga-Zweiten bei dessen 24:24 beim TBV Stuttgart, aber am Freitag schon wieder auf der Essener Trainingsplatte. Weil sich der kroatische Rückraum-Rechte Marko Kopljar einen Achillessehnenriss zugezogen hat, werden die Berliner auch in den nächsten Wochen immer wieder auf Christoph Reißky zurückgreifen. Zwar haben die Füchse das Erstzugriffsrecht, „aber es herrscht bei beiden Vereinen große Kompromissbereitschaft“, sagt Jaron Siewert. „Bob Hanning achtet darauf, dass beide Ziele verwirklicht werden: unser Klassenerhalt und die Europapokal-Teilnahme der Füchse.“ Was ja bei aktuell drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen auch noch die Meisterschaft für die Hauptstadt-Handballer werden könnte. „Wir werden jetzt von Woche zu Woche entscheiden, wie Christophs Einsatzzeiten verteilt werden“, erklärt der Berliner Tusem-Trainer.

Tom Bergner rückt in den Kader

Neben Julian Renninger, für den A-Jugend-Kreisläufer Tom Bergner in den Kader rückt, müssen die Hagener auch ihren langzeitverletzten Jan-Lars Gaubatz ersetzen. Und den Respekt, den Jaron Siewert vorm Gegner hat, teilt Niels Pfannenschmidt. „Die Essener haben einen guten, sehr ausgeglichen besetzten Kader“, sagt der Eintracht-Coach. „Die Mannschaft macht eine gute Entwicklung.“ Und sie hat zuletzt zweimal in Folge gewonnen. Das gilt aber auch für den VfL Eintracht.

Wegen des tragischen Unfalls in Hessen, bei dem Rainer Fendrich, Alexander Bracke und Dirk Bracke aus der Elektro-Rollstuhl-Hockey-Abteilung am vergangenen Samstag ihr Leben verloren haben, wird es vor dem Spiel eine Schweigeminute geben. Zudem werden die Tusem-Handballer mit Trauerflor auflaufen.