Die Qualität in der Breite
04.02.08
Tusem wehrt sich bei der achtbaren 27:32-Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen nach besten Kräften.Torjäger Evars Klesniks saß in der zweiten Halbzeit angeschlagen auf der Bank. In der Deckung deutlich verbessert

AUFTAKT ZUR RESTRUNDE IN DER 1. HANDBALL-BUNDESLIGA Löwen Tusem 32:27 (17:14) Rhein-Neckar Löwen: Szmal, Fritz - Buday, Gensheimer (4), Bielecki (5), Tkaczyk (3), Harbok (3), Schwarzer (4), Shelmenko (3), Jurasik (3/1), Klimovets (2), Szlezak (5/3).

Tusem: Eijlers, Friedrich - Dragunski, Schmetz (8/4), Thoke, Klesniks (3), Schütte (1), Casanova (4), Katzirz (5), Vrany (2), Siniak (2), Schmidt (2/1), Dietrich, Wozniak, Schult.

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg). Zuschauer: 10 869.

Strafzeiten: 4 / 7.

Spielfilm: 2:1 (3.), 3:5 (7.), 6:8 (13.), 8:8 (15.), 11:9 (23.), 14:11 (26.), 17:14 (Halbzeit), 19:15 (35.), 21:18 (39.), 21:20 (42.), 24:21 (45.), 28:25 (55.), 31:26 (58.), 32:27.
 
Mannheim. Die Leistung? War in Ordnung. Die Deckung? Machte einen stabileren Eindruck als in vielen Auswärtsspielen zuvor. Und das Ergebnis? Nun, ein 27:32 bei den hochkarätig besetzten Rhein-Neckar Löwen verdient das Prädikat "achtbar". Dennoch darf der positive Gesamteindruck nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Tusem im Vergleich zu manch anderem Keller-Konkurrent (Minden, Berlin) auch am ersten Spieltag nach der EM-Pause wieder einmal leer ausging. Und der Rückstand zum rettenden Ufer hat sich für das Schlusslicht nun auf vier Punkte erhöht. Der Druck vor dem Heimspiel gegen Minden, er ist und bleibt immens.

Handball-Hunger in Mannheim: Knapp 11 000 (!) wollten sich in der top-modernen SAP-Arena das Spiel der Löwen gegen den Tabellenletzten aus Essen ansehen - darunter die Nationalmannschaft Kuwaits, die als Ehrengast auf der Tribüne saß.

Schon beim Aufwärmen beider Teams gab's schöne Wiedersehens-Szenen: So fielen sich Tusem-Kapitän Mark Schmetz und sein ehemaliger Teamkollege Oliver Roggisch, der verletzt zuschauen musste, in die Arme. Und auch Essens Mittelmann Andrej Siniak verbrachte viel Zeit, um mit seinen früheren Löwen-Weggefährten zu plauschen. So freundlich die Stimmung im Vorfeld, so robust und zupackend ging es von Beginn an auf der Platte zur Sache. Und Essens neuer Trainer Krzysztof Szargiej hatte die Abwehrformation umgebaut. Der gesetzte David Katzirz bildete mit Vaclav Vrany den Innenblock. Nicht nur deshalb wirkte die Deckung kompakter und geschlossener als zuletzt. Hinzu kam, dass Torwart Gerrie Eijlers von Beginn an hellwach war. So lag der Tusem verdient mit 8:6 vorn (13.).

Die Gastgeber kamen nur schwer in Tritt, vergaben in den ersten 20 Minuten gleich drei Siebenmeter. Und hätte ihr Torwart Slawomir Szmal nicht auch so prima gehalten, dann hätte der Tusem sogar deutlicher führen können. Löwen-Coach Iouri Chevtsov verfügt aber über einen derart starken Kader, dass Weltstars wie der Pole Karol Bielecki oder Deutschlands früherer National-Kreisläufer Christian Schwarzer zunächst lange auf der Bank saßen. Als sie kamen, drehte sich das Spiel. Hinzu kamen viele Zeitstrafen gegen die Essener. Das machte es den Löwen leichter.

In Halbzeit zwei blieb der zuvor agile Evars Klesniks mit bandagiertem Unterschenkel auf der Bank. Der Halbrechte hatte bereits im Training über Beschwerden in der Wade geklagt. "Es war eine Vorsichtsmaßnahme. Nächste Woche gegen Minden brauchen wir Klesniks nötiger als heute", erklärte Szargiej diese Personal-Entscheidung. Dieser Ausfall verunsicherte aber seltsamerweise mehr die Löwen als den Tusem. Und beim 21:20 (42.) waren die Gäste sogar wieder bis auf ein Tor heran.

Dass es letztlich nicht zur Überraschung reichte, lag letztlich an der größeren Ausgeglichenheit des Löwen-Kaders. Wenn es einmal nicht lief, tauschte Chevtsov einfach einen Top-Mann gegen den nächsten aus. Und fast alle Spieler beteiligten sich gleichmäßig an der Torausbeute. Diese Qualität in der Breite machte den Unterschied.

WAZ Online