Neuhausen ist im Handballfieber
11.05.12

Der TVN mischt in Sachen Aufstieg eifrig mit. Aber noch stehen vier knifflige Prüfungen bevor. Am Samstag kommt mit Essen einer der beiden bereits feststehenden Aufsteiger.

Es ist unglaublich. Sie wollten sich in der zweiten Liga etablieren, so früh wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Doch dann kam alles anders: "Gaugis Buben" wirbelten durch diese erste Saison der eingleisigen zweiten Liga, trumpften leidenschaftlich auf, ließen die Konkurrenz früh erkennen, dass mit ihnen zu rechnen ist und sammelten eifrig Punkte. Erst für besagten Klassenerhalt und mittlerweile, um vielleicht so viele zu ergattern, dass es für die ganz große Sensation reicht. 42 Pluspunkte sind es, die 26 Verlustpunkten der Neuhäuser gegenüber stehen. Besser stehen nur Klassenprimus GWD Minden (53:15) und der TuSEM Essen (49:19) da.

Mit beiden Hochkarätern müssen sich die Gaugisch-Schützlinge jetzt im Saison-Endspurt noch messen. Sicher keine leichten Aufgaben. Aber nach solchen hält man in dieser bärenstarken Liga, die nicht von ungefähr zu den stärksten Zweitligen der Welt zählt, ohnehin vergeblich Ausschau. Woche für Woche lehrte der Saisonverlauf, dass nichts unmöglich ist.

Dennoch hat sich auch eine überragende Konstanz heraus kristallisiert: Und die heißt zweifellos TUSEM Essen. Der Traditionsclub von der Essener Margarethenhöhe, der bereits sechs deutsche Meistertitel gewonnen hat (Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre), und drei Mal Europapokalsieger wurde (zuletzt 2005), will nach dem Abstieg 2009 jetzt wieder an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Das Team von TuSEM-Coach Maik Hanschke steht bereits ebenso als Aufsteiger fest wie die GWD Minden. Heiß umkämpft ist jetzt noch der dritte Aufstiegsplatz. Den hat bekanntlich der TVN inne und zwar mittlerweile mit einem Vorsprung von drei Punkten vor den Verfolgern HC Erlangen, ThSV Eisenach, TV Emsdetten und SC DHfK Leipzig (alle 39:29).

"Essen hat eine großartige Saison gespielt, steigt verdient auf", zollt TVN-Trainer Markus Gaugisch der konstanten Leistung der Essener größten Respekt und fügt im selben Atemzug noch verschmitzt hinzu: "Und wir wollen hinterher." Doch bevor es so weit ist, haben seine Jungs noch große Aufgaben vor der Brust. Wie jetzt den TuSEM Essen. Der hat ein sattes Plus von 71 Toren auf dem Konto und das kommt nicht von ungefähr. Dafür zeichnet ein magisches Dreieck im TuSEM-Aufgebot verantwortlich, zu dem neben dem 22-jährigen Top-Torjäger Ole Rahmel, der mit 262 Treffern die Torschützenliste anführt, auch sein Kollege Hannes Lindt (ebenfalls rechter Rückraum) sowie Kreisläufer Andre Kopp, der von der HG Saarlouis kam, gehören. Gemeinsam bringen es die drei Herren auf satte 565 Tore. Höchste Aufmerksamkeit verdient aber nicht nur dieses Trio sondern auch Julius Kühn, der in der Winterpause von der HSG Düsseldorf zum TuSEM wechselte und im linken Rückraum agiert.

Angesichts der geballten Angriffslust der Gäste wiegt der Ausfall von Nico Büdel beim TV Neuhausen besonders schwer. Der 22-Jährige hat sich in Emsdetten eine Innenbandverletzung zugezogen und fällt für die letzten Spiele aus. Der 150-fache Torschütze spielt auch in der Defensivabteilung der Neuhäuser eine zentrale Rolle. Doch Markus Gaugisch jammert nicht. "Verletzungen kommen immer zum falschen Zeitpunkt. Ich bin froh, dass Nico nichts Schlimmeres passiert ist", erklärt der Neuhäuser Kommandogeber. "Nico und Andi Schröder sind ein super Gespann im linken Rückraum, haben hier schon für Furore gesorgt in dieser Saison", lobt der Coach. Dem 20-jährigen Schröder traut er deshalb zu, noch mehr Verantwortung zu übernehmen: "BamBam ist psychisch stabil und hat das Zeug dazu", setzt er auf den Blondschopf. Unterstützung bekommt der 20-jährige vom TVN-Eigengewächs Dominik Eisele. "Dominik hat sich prima entwickelt und hat seine Qualitäten schon unter Beweis gestellt", setzt Gaugisch auch auf den ehemaligen Deutschen A-Jugendmeister.

Alle anderen Akteure beim TVN sind an Bord und bis in die Haarspitzen motiviert vor dem Spitzenspiel gegen den künftigen Erstligisten. Der hat mit einem Lauf von 16:0 Punkten aus den letzten acht Spielen das Ticket für die erste Liga bereits gelöst. Die letzte Niederlage der Hanschke-Truppe datiert vom 17. März. Damals unterlagen Rahmel und Co, bei der SG BBM Bietigheim nur ganz knapp mit 32:33.

TVN-Kapitän Aleksandar Stevic wagte im fernen Emsdetten nach dem Remis schon voller Vorfreude auf die beiden jetzt folgenden Heimspiele eine Stimmungsprognose für das Duell mit dem TuSEM Essen. Und genau so wird es wohl am Samstagabend in der Hofbühlhalle auch sein: Handball-Neuhausen ist aus dem Häuschen, die Hofbühlhalle bebt, die TVN-Helden werden mit der rappelvollen Halle im Rücken alles geben, um dem blau-weißen Handballwunder einen Schritt näher zu kommen. Der TVN hat nach 35 Jahren die riesige Chance, wieder in die erste Liga aufzusteigen. Das weckt bei allen, welche die legendären Zeiten erlebt haben, Erinnerungen und lässt die Handball-Herzen in Hochfrequenz schlagen.