18.11.2017 | WAZ

Tusem könnte beim Schlusslicht in Aue weiter Boden gutmachen


Handball-Zweitligist Tusem Essen ist nach drei Siegen im Aufwind. Er darf den Tabellenletzten Aue nicht unterschätzen. Gastgeber macht sich Mut.

Sie sind ganz unten angekommen, auf dem bitteren Boden der Tatsachen. Die Handballer des EHV Aue stehen auf dem letzten Platz der 2. Bundesliga, weswegen vor dem Duell mit dem Tusem Essen an diesem Samstag (17 Uhr, Lößnitzhalle) Durchhalteparolen durch das Erzgebirge schallen. „Es ist immer zu früh, um aufzugeben“, steht beispielsweise auf der Facebookseite des EHV an prominenter Stelle. Die Vorzeichen sind klar: Aue muss, der Tusem will punkten.

Für die Begegnung in Sachsen wollen die Essener daher nichts dem Zufall oder einer schlechten Vorbereitung überlassen. Die Mannschaft von der Margarethenhöhe reiste bereits am Freitag nach Zwickau, um sich dort in einem Hotel ideal auf die Partie fokussieren zu können. Denn: „Wir müssen wieder in die Fokussierung von den letzten Spielen kommen, um die nächsten Punkte zu holen. Wir wollen natürlich nachlegen, um den positiven Lauf weiterzuführen und einen direkten Konkurrenten auf Abstand zu halten“, betont Trainer Jaron Siewert.

Durch Kintrup und Hegemann an Stabilität gewonnen

Der Tusem zeigte zuletzt gute, vor allem aber kämpferische Leistungen und verdiente sich somit drei Siege in Serie. Immerhin ging es damit rauf auf den 13. Rang, Tendenz steigend. Das System vom neuen Trainer greift immer besser und die Abläufe sitzen mittlerweile. Auch dank Rückkehrer wie Michael Kintrup oder Michael Hegemann ist ein Stück Stabilität und Kraft im Rückraum hinzugekommen. Auch wenn in Aue mit dem langzeitverletzten Christoph Reißky und mit Luca Witzke (Bänderverletzung) zwei Spieler ausfallen, hat der Tusem wieder eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Parkett. Die aufsteigenden Formkurven von Kreisläufer Tim Zechel oder Torhüter Sebastian Bliß waren zuletzt ebenfalls ein wichtiger Faktor. Damit hat das Siewert-Team genug Schwung geholt, um die verbleibenden sieben Partien vor der Winterpause positiv zu bestreiten.

Aue hingegen hat momentan viel mit der Konkurrenz, aber auch mit sich selbst zu kämpfen. Vor der Saison mussten die Sachsen unter anderem mit Bjarki Mar Gunnarsson und Arni Thor Sigtryggsson schmerzhafte Abgänge verkraften, zudem machte sich das Verletzungspech in der Mannschaft breit. Mit nur zwei Saisonsiegen nach 13 Spielen ist die Lage bedrohlich, zumal die vergangenen Partien nicht wirklich Hoffnung machen konnten: Die letzten sieben gingen allesamt verloren, teilweise sogar mehr als deutlich. Vor allem die SG BBM Bietigheim kannte keine Gnade mit dem kriselnden EHV, fegte Aue letztendlich mit 41:19 aus der Halle. Viel Selbstvertrauen dürfte das nicht gegeben haben. Anders beim Tusem, der nach den letzten erfolgreichen Spieltagen reichlich Mut hinzugewonnen hat.

Emotionale Stimmung in Aue

Ein Gegner wie der EHV Aue kommt in dieser Phase gerade recht, könnte man meinen. Doch Siewert warnt vor Überheblichkeit: „Der EHV hatte in dieser Saison schon einige enge Ergebnisse in eigener Halle, dafür ist sicherlich auch die emotionale Stimmung von den Rängen verantwortlich. Wir tun gut daran, niemanden in der Liga zu unterschätzen.“ Demut tut gut, denn die Essener befinden sich ja selbst auch nicht in der komfortablen Lage, Punkte liegen lassen zu können.