15.11.2017 | Reviersport

Tusem nimmt allmählich Fahrt auf


Nach schwachem Saisonstart hat sich Tusem Essen in der 2. Handball-Bundesliga Erfolge erarbeitet. Das System scheint nun besser zu greifen, doch noch passt nicht alles.

Das Grinsen im Gesicht von Jaron Siewert wird von Spiel zu Spiel breiter. Der Trainer des Tusem Essen hat mit seiner Mannschaft derzeit einen Lauf in der 2. Bundesliga, die vergangenen drei Spiele konnten allesamt gewonnen werden. Aber Siewert drückt direkt etwas auf die Bremse: „Vor ein paar Wochen war alles schlecht, jetzt scheint auf einmal alles toll. Da muss man schon differenzieren.“ Doch mit der Tendenz und der Entwicklung gibt sich der Trainer zufrieden.

Ein oder zwei Bier genehmigte Siewert seinen Jungs nach dem umkämpften Heimsieg gegen die HSG Nordhorn-Lingen (25:24), der den perfekten Abschluss des Vier-Punkte-Wochenendes darstellte. „Das waren keine Punkte, die wir unbedingt eingeplant hatten“, gestand der 23-Jährige, der allerdings feststellte, dass die Erfolge verdient waren. Gegen zwei Mannschaften aus den Top Fünf spielte der Tusem mutig und mit der nötigen Ruhe. Der Abstiegskandidat ließ sich dabei nicht verunsichern, anders als noch in den Wochen zuvor.

Aus einer kompakten Abwehr heraus, die nach der Rückkehr von Carsten Ridder und Michael Hegemann mittlerweile an Stabilität gewonnen hat, wird schnell auf Angriffsmodus umgeschaltet. Ein Credo, das Jaron Siewert seinen Jungs in der Kabine immer wieder vorbetet. Nun scheint es auch beim letzten Mann angekommen zu sein – buchstäblich beim letzten Mann. Denn auch die Torhüter-Leistung ist besser geworden. Sebastian Bliß und Neuzugang Moritz Mangold bekommen mehr Hände an die Bälle, als zu Beginn der Saison. Konnten die Schlussmänner damals nur jeden fünften Wurf abwehren, ist es mittlerweile immerhin fast jeder dritte. „Ich glaube, dass wir uns jetzt öfter mal für unsere guten Leistungen belohnen“, sagt der Trainer.

Zudem haben sich die Neuzugänge nach rund vier Monaten nun endgültig integriert und die Philosophie (stabile Abwehr, schneller Angriff) verinnerlicht. „Ich denke schon, dass die Abläufe wesentlich besser funktionieren und dass mittlerweile eine Art blindes Verständnis da ist“, sagt Tim Zechel, der im Sommer als Kreisläufer von der HSG Burgwedel aus der 3. Liga nach Essen gekommen war.

„Es ist mit Sicherheit unangenehm für jeden Gegner gegen uns spielen zu müssen“, sagt das Kraftpaket. Zechel ist ein Paradebeispiel für den Aufschwung, denn der 21-Jährige hat sich schnell an die Luft in der 2. Bundesliga gewöhnt und gilt mit bislang schon 16 Zeitstrafen (Ligahöchstwert) nicht als Kind von Traurigkeit. Gegen die HSG Nordhorn-Lingen blockte er zudem den letzten Wurf des Gegners, weshalb der Sieg besiegelt war.

Teilweise noch zu unkonzentriert

Doch zufriedengeben will sich auf der Margarethenhöhe keiner. Klar, die Form wird besser und die Ergebnisse stimmen. Aber Verbesserungspotential gibt es noch. So leistet sich der Tabellen-13. in den Spielen immer noch Phasen der Unkonzentriertheit, in denen viele einfache Fehler produziert werden. Das lädt jeden Gegner - trotz Rückstand - noch einmal zur Aufholjagd ein. Unter anderem gegen Hagen wurde diese Schwäche bitter böse bestraft, zuletzt gegen Nordhorn und in Emsdetten (29:27) konnte der Tusem seinen Negativlauf allerdings noch rechtzeitig stoppen.

Die Nervosität vom Anfang der Saison scheint überwunden und der Glaube in die eigenen Stärken zu überwiegen. Die Richtung stimmt und mit Rückenwind kann der Tusem nun Fahrt aufnehmen.