07.11.2017 | WAZ

Hegemann kann es nicht lassen


Der Routinier greift wieder aktiv ins Geschehen ein und will dem Tusem Essen als spielender Co-Trainer im Abstiegskampf helfen.

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte Michael Hegemann Tränen in den Augen. Tränen der Freude über den gerade noch erreichten Klassenerhalt und Tränen der Trauer über das Ende seiner aktiven Karriere als Handballer. Beim Saisonfinale im Juni in Saarlouis stand er eigentlich zum letzten Mal für den Zweitligisten Tusem Essen auf der Platte, doch nun kehrt der 40-Jährige zurück.

„Handball zu spielen ist das, was ich liebe“, sagt Hegemann, der in dieser Saison eigentlich nur als Co-Trainer fungieren sollte. Aber der 57-fache Nationalspieler hielt sich fit und blieb durch die Trainingseinheiten mit der Mannschaft einigermaßen im Rhythmus.

Beides macht ihm riesig Spaß

In Zusammenarbeit mit Cheftrainer Jaron Siewert konnte der Ex-Kapitän einen Blick von Außen auf das Spiel seiner Jungs erhaschen und somit noch einmal eine neue Perspektive gewinnen. In Absprache mit Siewert hat sich Hegemann nun wieder das rote Tusem-Trikot übergestreift und will dem Traditionsklub von der Margarethenhöhe im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen. Die Rolle als Co-Trainer hat er weiterhin inne und will sich auf diesem Gebiet auch noch weiterbilden. „Mir macht beides riesig Spaß, aber spielen ist spielen“, sagt der gebürtige Bottroper und das mit voller Überzeugung. Man merkt, dass es bei Michael Hegemann kribbelt. Seine Erfahrung nach über 20 Jahren Handball kann in diesem mit Nachwuchskräften gespickten Ensemble durchaus von Vorteil sein, um am Ende das Saisonziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.

Siewert überzeugt von Hegemann

Für Trainer Jaron Siewert, der vom Alter her fast schon Hegemanns Sohn sein könnte, ist die Rückkehr des Weltmeisters von 2007 eine gute Entscheidung. „Ich stehe dahinter und der Verein auch. Hege gibt viel Energie ins Spiel und sein erster Auftritt war ja auch erfolgreich“, meint der 23-Jährige.

Beim vergangenen Heimsieg, wieder gegen Saarlouis (29:19), kam der spontane Neuzugang zu seinen ersten Einsatzminuten und fügte sich direkt gut in die Abwehr ein. Und im Anschluss an den zweiten Saisonsieg war Hegemann wieder mittendrin im Rummel. Autogramme schreiben, Gespräche mit Zuschauern führen – und eben auch mit der Presse. Trubel, den der hauptberufliche Grundschullehrer gewohnt ist und durchaus auch ein kleines bisschen vermisst hat. „Als Spieler ist das alles noch mal etwas anders. Man kann seine Emotionen auf dem Feld viel besser ausleben, als auf der Bank.“

Doppelaufgabe auch über den Winter hinaus

Hegemann als spielender Co-Trainer soll keine kurzfristige, sondern schon eine mittelfristige Lösung sein. So lange der Rückraumspieler verletzungsfrei bleibt, könnte er seine Doppelaufgabe auch über den Winter hinaus erledigen. „Ich habe als Co-Trainer schon vieles gelernt, maße mir aber nicht an, dass ich mich Trainer nennen kann. Ich freue mich wieder mitzuspielen und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich in den letzten Jahren beim Handball keinen Spaß gehabt hätte“, sagt Michael Hegemann.

Auch wenn der erfahrene Mann in den vergangenen Monaten möglicherweise etwas an Spritzigkeit eingebüßt hat, wird sein Auge für die richtigen und wichtigen Situationen noch immer gut arbeiten.