05.10.2017 | inFranken.de

Pomadiger HSC rettet noch einen Punkt


Jan Gorr, Coach des HSC 2000 Coburg, hatte nicht zu viel versprochen, als er schon nach dem Hagen-Spiel von einem völlig anderen Spiel gegen TUSEM Essen redete. Er behielt Recht und am Ende waren seine Coburger mit dem 25:25-Unentschieden noch gut bedient.

Der HSC hat am späten Dienstagnachmittag dort weitergemacht, wo man gegen Hagen aufgehört hatte, und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn wie schon im zweiten Durchgang gegen das Schlusslicht schlugen die Coburger kein Kapital aus ihrer spielerischen Überlegenheit, die oft auf der Strecke blieb. Hinzu kamen eine phasenweise eklatante Abschlussschwäche und zahlreiche leichte Ballverluste. "In der Abwehr hat uns oft ein Schritt gefehlt, im Angriff haben wir zu wenig als Mannschaft gespielt, das war insgesamt zu pomadig", fand Gorr klare Worte.

Bereits unmittelbar nach der Partie am letzten Samstag war klar, dass Jan Kulhanek aufgrund einer Oberschenkelverletzung passen muss - für ihn saß Patryk Foluszny auf der Bank. Letztmals war dies vor fast genau einem Jahr beim Auswärtsspiel in Göppingen so, damals avancierte er zum Mann des Spiels und hätte so fast dazu beigetragen, dass sein Team die Punkte vom EHF-Pokalsieger entführte. Diesmal kam er nicht zum Einsatz.

HSC 2000 Coburg - TUSEM Essen 25:25 (13:10)

Erster Fehlpass Coburg - erster Konter Essen mit erfolgreichem Torabschluss - so begann die Partie. Es folgten ein frei verworfener Ball von Stefan Lex, nachdem er sich im Eins-gegen-eins durchgesetzt hatte und danach ein vergebener Strafwurf von Florian Billek. Nach vier Minuten stand es 0:3. Die Gäste traten dabei extrem emotional und hart zupackend auf. Doch nach zehn Minuten war der Stotterstart der Coburger ausgebügelt. Es waren aber weiterhin die nicht erfolgreichen Abschlüsse und Fehlpässe, mit denen sich die HSC-Akteure immer wieder selbst unter Zugzwang setzten.

Die weiteren Minuten waren von ständigen Führungswechseln geprägt. Coburg bekam am Kreis keinen rechten Zugriff, das Prunkstück der letzten Partien, die Abwehr, funktionierte nur selten. Überhaupt waren ungewohnt viele Ungenauigkeiten im HSC-Spiel. Auch im Angriff wurde zu oft die falsche Entscheidung getroffen. Die daraus resultierenden Ballverluste nutzte Essen zu einem ruhigen Spielaufbau, wenn sich nicht die Chance zum Kontern bot. Erst in der Endphase der ersten Halbzeit verschaffte sich Coburg Luft, aber rund lief es noch lange nicht.

Reihenweise Chancen vergeben

Das wurde nicht wirklich besser und hielt Essen im Spiel. Aber mit viel Übersicht und gutem Kreisspiel auf Sebastian Weber hielt sich der HSC den Gegner zunächst wenigstens knapp auf Distanz. "Eh, Leute", bis in die obersten Ränge war der Ausruf von HSC-Coach Jan Gorr zu hören, als Marko Neloski zum wiederholten Male in der Luft geschoben wurde und es nur einen Freiwurf gab. Als wenig später erst Sebastian Weber am Kreis vergab, danach ein Heber von Florian Billek über das Tor ging, ein Fehlpass von Till Riehn folgte und dann auch Dominic Kelm am Kreis vergab, fiel der Ausgleich. Das versprach eine spannende Schlussviertelstunde.

Über eine überfällige Zeitstrafe für Schieben in der Luft, wodurch Neloski mit dem Hinterkopf leicht auf den Boden fiel, verschaffte sich Coburg Luft - das aber nur kurzzeitig. Denn mit weiter ruhiger, durchdachter Spielweise und vor allem einer hohen Effektivität schaffte es Essen beim 20:21 sogar selbst wieder vor- und sogar noch einen weiteren Treffer daraufzulegen.

Neloski und Lex retten Remis

Auf der anderen Seite blieb die Abschlussquote der Coburger schwach. Die liefen dem Rückstand bis zur ersten Parade nach langer Zeit durch Oliver Krechel hinterher. Aus dieser heraus traf Billek mit unbändigem Durchsetzungswillen zum abermaligen Ausgleich (23:23). Die Partie war nun oft unterbrochen. Als Stefan Lex dreieinhalb Minuten vor dem Abpfiff an Mangold im TUSEM-Tor scheiterte, im Folgeangriff der Ball verloren ging und Essen den Konter zum 23:25 einnetzte, war die Sensation für die Gäste zum Greifen nah.

Immerhin retteten Marko Neloski und Stefan Lex zumindest einen Zähler. Diese späte Reaktion verhinderte, dass den HSC-Fans die Feiertagslaune gänzlich verdorben wurde.

Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (HSC-Trainer): "Ich bin glücklich darüber, dass es im Endspurt noch ein Punkt geworden ist, aber wir wollten beide haben. Gut war unsere Nervenstärke, mit der wir noch zum Unentschieden kamen. Ansonsten bin ich nicht zufrieden. Essen hat das gemacht, was zu erwarten war, hat die Zweikämpfe gesucht, intensiv verteidigt. Wir haben nur bedingt dagegengehalten."

Jaron Siewert (TUSEM-Trainer): "Meinem Team muss ich ein Riesenkompliment machen. Der Beginn war super, auch wenn wir dann zur Halbzeit mit drei Toren in Rückstand lagen. Aber wir haben uns gut reingekämpft, waren sehr gut im Verhalten Eins-gegen-eins. Am Ende haben wir das Remis nur über die Zeit bringen wollen, auch weil wir solche Spiele schon oft noch verloren haben."

Till Riehn (HSC-Kapitän): "Am Ende ist es gut, dass wir den Punkt noch holen, eigentlich hätten wir beide holen müssen. Essen hat diszipliniert gespielt, wir haben es nicht gut gelöst, dagegen zu spielen. Wir waren nicht quirlig, beweglich und clever genug. An allen Ecken und Enden haben ein paar Prozent gefehlt. Sobald das passiert, gewinnst du das Spiel eben nicht mehr."