05.09.2017 | WAZ

Tusem zahlt Lehrgeld auf die harte Tour


Mit Blick auf die Tabelle der 2. Handball-Bundesliga wird den Fans des Tusem momentan anders. Ihre Lieblinge stehen auf dem letzten Platz, schauen von unten auf den Rest der Liga. Zwei Spiele, zwei Niederlagen – der Start in die neue Saison lief nicht nach Plan. Erstliga-Absteiger HBW Balingen-Weilstetten und der ambitionierte VfL Lübeck-Schwartau sind gewiss keine einfachen Gegner zum Auftakt, doch der Tusem war in keiner der beiden Partien chancenlos.

Meist geriet die Mannschaft von Trainer Jaron Siewert durch eigene Fehler selbst aus dem Takt, weshalb sie jeweils in der zweiten Halbzeit der Melodie hinterherlaufen musste. Aussetzer, vor allem in der Abwehr, wurden jedes Mal eiskalt bestraft: Der Tusem0 zahlt Lehrgeld – und zwar auf die harte Tour.

Kurz nach dem 28:29 gegen Lübeck-Schwartau unterhielten sich Essens Siewert und Lübecks Torjäger Oliver Milde. Während Letzterer viel zu erzählen und dabei stets ein Lächeln im Gesicht hatte, wollte der Tusem-Trainer wohl eigentlich lieber Zeit für sich haben. Die verpasste Chance auf die zwei Punkte ärgerte den 23-Jährigen, vor allem mit der Abwehrleistung war er nicht zufrieden. „Das ist noch zu wenig“, sagte Jaron Siewert. 71 Gegentreffer in nur zwei Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Gegen die Gäste von der Ostsee brach der Essener Damm gleich mehrmals, gerade in der ersten Hälfte entstanden auf diese Weise viele Lücken. Der Tusem war immer einen Schritt zu spät. Immerhin lief es dann zunächst besser, die Löcher konnten erst einmal gestopft werden. Doch im zweiten Durchgang war der Druck wieder zu groß, und erneut hielt die Essener Hintermannschaft diesem nicht stand. Weder Deckung noch Torhüter konnten die Geschosse der Nordlichter entschärfen. Wie schon gegen Balingen schaffte es der Tusem nicht über die komplette Spielzeit, mitzuhalten. Ein Durchhänger zwischen der 40. und 50. Minute ließ die Partie erneut kippen.

Dabei steckt in der Mannschaft Potential. Zum Beispiel der erst 19-jährige Zugang Tim Zechel konnte am Kreis überzeugen, ebenso wie Tom Skroblien, der mit seinen neun Toren die Fans begeisterte. Generell läuft es im Offensivspiel schon ordentlich, immerhin haben die Essener momentan den drittbesten Angriff der Liga. Hinter dieser Stärke versteckt sich allerdings ein weiteres Problem. Denn durch die gute Leistung Tom Skrobliens musste Talent Noah Beyer das gesamte Heimspiel lang von der Bank zuschauen, was ihn augenscheinlich nicht wirklich glücklich machte. Ein Luxusproblem für Trainer Jaron Siewert, keine einfache Situation für Noah Beyer, der in der vergangenen Saison mit 191 Toren ja bester Tusem-Schütze war. Der 20-Jährige muss sich also in Geduld üben, und auch er lernt auf die unangenehme Weise, dass für den Traditionsclub in dieser Spielzeit nicht alles zwingend einfacher wird als in der vergangenen.

Zu Gast bei der SG BBM Bietigheim

Dennoch waren auch im Spiel gegen den VfL Fortschritte zu erkennen. Die Effektivität im Angriff war schon besser, und die Leistungsschwankungen innerhalb der Partie brachen nicht allzu stark aus. Diese Tatsachen machen Jaron Siewert vor der nächsten Aufgabe bei der SG BBM Bietigheim (Freitag, 19.30 Uhr) Mut. „Jetzt muss wieder der nächste Schritt kommen“, sagt er, „und dann müssen wir endlich den Bock umschmeißen.“ Mit einer stabileren Abwehr dürften die Chancen steigen.