04.09.2017 | WAZ

Tusem macht den Deckel nicht drauf


Knappe 28:29-Niederlage gegen VfL Lübeck-Schwartau im ersten Heimspiel. Kurzer Durchhänger raubte die Chance zum Sieg.

Kaum war die Schlusssirene in der Sporthalle „Am Hallo“ ertönt, packten sich die Handballer vom Tusem in die Hüfte und schauten mit leeren Blicken auf den Boden. Enttäuschung machte sich breit, denn auch das zweite Saisonspiel in der 2. Bundesliga ging verloren. Diesmal wesentlich knapper als noch bei der 28:42-Niederlage in Balingen, zudem war gegen den VfL Lübeck-Schwartau (28:29) durchaus mehr drin.

Tusem zu Beginn zu nervös

Endlich wieder ein Heimspiel im Hexenkessel, dachten sich die Essener Fans im Vorfeld. Und in diesem Kessel war ordentlich Würze drin. Immerhin waren die Marzipan- und Marmeladenstädter zu Gast – und die wollten ihren überraschenden Auftaktsieg gegen Erstliga-Absteiger Coburg toppen. Der Tusem begann daher sehr respektvoll, teilweise zu nervös. Einige technische Fehler und teils große Lücken in der Abwehr wussten die Nordlichter zu nutzen. Allen voran war es Toni Podpolinski, der mit seinem linken Katapult-Arm die Bälle ein ums andere Mal in das Tor der Essener drosch. Aber die Hausherren wurden in der Folge mutiger, entwickelten vor allem in Person von Dennis Szczesny eine Augen-zu-und-durch-Mentalität. Mit mehr Durchschlagskraft und Selbstvertrauen war nun auch mehr Tempo im Angriffsspiel drin und das kam in erster Linie Neuzugang Tom Skroblien zu Gute. Immer wieder verwertete der Linksaußen die Angriffe des Tusem eiskalt.

Bis zur Pause erspielte sich die Mannschaft von Trainer Jaron Siewert eine verdiente 15:14-Führung, die kurz nach dem Wechsel noch größer werden sollte. Mit viel Schwung kamen die Tusem-Handballer aus der Kabine und lagen bereits mit drei Toren Vorsprung in Front. Schwartau reagierte, stellte um auf eine offensivere 5:1-Deckung. Damit hatten die Essener zu kämpfen, prallten immer wieder ab. Die Folge: Plötzlich drehte sich das Spiel.

Das Team von der Margarethenhöhe erlaubte sich eine Pause zu viel und musste in der Schlussphase erneut einem Rückstand hinterherrennen. Mit den eigenen Fans im Rücken und einer guten Stimmung hielt der Tusem die Partie bis zum Ende offen und hatte noch einmal die Chance zum Ausgleich. Aber der stark reagierende Lübecker Torwart Marino Mallwitz war gleich dreimal zur Stelle und ließ die Essener Angreifer verzweifeln – und die Fans gleich mit.

Milde stellt Essener Abwehr vor Probleme

Das, was Podpolinski in der ersten Halbzeit für die Gäste erledigte, übernahm im zweiten Durchgang Oliver Milde, der im Rückraum nicht gestoppt wurde. Tusem-Torwart Sebastian Bliß bekam nur selten eine Hand an den Ball und so wuchs die Anzahl der Gegentore. Nichtsdestotrotz schnupperten die Gastgeber kurz vor dem Ende zumindest am Punktgewinn, doch Lübeck spielte seine ganze Erfahrung aus. Der letzte Angriff der Norddeutschen zog sich wie ein alter Kaugummi, den Markus Hansen schließlich mit Wucht ausspuckte. Sein Tor zum 29:27 war die Entscheidung.

„Die Enttäuschung ist natürlich groß“, sagte Tusem-Trainer Siewert nach der Partie. „Wir waren in einigen Phasen etwas zu ungeduldig und zu grün hinter den Ohren. Damit haben wir Schwartau ins Spiel gebracht. Die Mannschaft hat zu jeder Zeit gekämpft, aber es hat am Ende leider nicht gereicht.“